Grundlagen Fünf Wandlungsphasen

Die fünf Wandlungsphasen heißen: Wasser, Holz, Feuer, Erde, Metall

Das Konzept der 5 Wandlungsphasen ist so alt wie die Begriffe Yin und Yang.  Die fünf Wandlungsphasen werden auch die „fünf Elemente“ genannt. Die Übersetzung „fünf Wandlungsphasen“ stammt von dem deutschen Sinologen Richard Wilhelm, der erkannte, dass die chinesische Vorstellungen von Wasser, Holz, Feuer, Erde, Metall keine statische Elemente vorsieht, sondern von Durchgangsphasen des Qi ausgeht, zwischen denen sich das Qi im Kreislauf des Erzeugens bewegt. Die 5 Wandlungsphasen beschreiben die auf der Erde vorkommenden und im chinesischen Altertum bekannten Erscheinungsformen der Materie. Die „5 Wandlungsphasen“ 五行 (wu xing) wurden zum ersten Mal von Zou Yan (fl. 4. Jh. v. Chr.) als philosophische Lehre formuliert. Im Laufe der Wissenschafts- und Philosophiegeschichte China, erhielten die 5 Wandlungsphasen ein immer komplizierter werdendes System von Zuordnungen und Assoziationen. Anfangs nur als Beschreibung der Natur konzipiert erhielten die 5 Wandlungsphasen auch eine biologische und physiologische Bedeutung innerhalb der Medizin und eine zusätzliche psychologische Bedeutung innerhalb des Bazi Suanming.

Ein Höhepunkt der Philosophie der fünf Wandlungsphasen ist das im alten China sehr bedeutende Werk Wuxing Dayi 五行大義 <Der umfassende Sinn der 5 Wandlungsphasen>, ein Werk, das aus der Büchersammlung des Gelehrten Xie Qi stammt, der während der Sui-Dynastie (581-618 n. Chr.) gelebt hat, und das für die Theorien der traditionellen chinesischen Wissenschaften von fundamentaler Bedeutung ist. Während der Song-Zeit wurden die 5 Wandlungsphasen akribisch für jede nur erdenkliche chinesische Wissenschaft definiert.

Alles in allem verhält sich die Theorie der 5 Wandlungsphasen so:

Es gibt insgesamt 5 Grund legende Phänomene in der Natur, die im Altertum klar voneinander unterschieden worden sind:

Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser

Die Wandlungsphasen können sich prinzipiell gegenseitig erzeugen und gegenseitig überwinden. Diese Interaktionen werden gewöhnlicher Weise in anhand folgender Graphik dargestellt:

Die 5 Wandlungsphasen haben jede für sich spezifische Eigenschaften, die Ausdruck ihrer individuellen Natur sind:

Das Holz:

Das Holz zeichnet sich durch beständiges Wachstum aus. Das Holz kommt zwischen dem Himmel und der Erde vor und ist daher auch ein Repräsentant der belebten Natur. Holz vereinigt einige Widersprüchlichkeiten in sich. Obwohl es als Stamm unbewegt erscheint, bewegt es sich trotzdem durch Wachstum. Es ist sehr zielstrebig zur Erlangung seiner Ziele, was man am Wachstum der Zweige und Blätter hin zum Licht ersehen kann. Es geht auch krumme Wege um dahin zu kommen. Das Holz opfert ein Teil seiner Substanz jedes Jahr, weshalb es bereit ist, Entbehrungen auf sich zu nehmen um zu überleben. Es neigt zur Unordnung, die aber gleichzeitig einen verborgenen Sinn hat. Das Holz spaltet sich in Yang-Holz als Stamm und als Wurzel, die mit der Erde verbunden ist und in Yin-Holz, das die feinen Zweige und Ästchen und die Blätter sind. Während das Yang-Holz gravitätisch und schwer ist, ist das Yin-Holz flexibel und stark bewegt. Während das Yang-Holz der Garant für Überdauerung ist, ist das Yin-Holz umtriebig und tanzt im Wind. Alles was irgendwie etwas mit Vegetation zu tun hat, ist dem Holz zuzuordnen. Das Holz ist sehr eng mit der Wandlungsphase Wasser befreundet, denn es lebt durch diese und ist das einzige Element in dem Wasser aufsteigen kann. Das Holz hat einen inneren Antrieb in sich, weshalb es auch ein Symbol für Motivation und Kreativität, wenngleich häufig auch wirre Kreativität, ist. Das Holz repräsentiert auch die Ausgeglichenheit des Yang. Weil es nach außen hin hart ist, gehört es außen dem Yang aufgrund seiner inneren Weichheit innen aber dem Yin an.

Das Feuer:

Alles, was heiß ist, entflammbar ist, was leuchtet und Helligkeit erzeugt oder was brennt, wird der Wandlungsphase Feuer zugeordnet. Das Feuer ist Ausdruck von Spiritualität und symbolisiert den Geist. Es kann sehr wankelmütig werden und schwankt zwischen Freude und Schwermut. Es steht daher auch für Emotionen und bewegte psychische Zustände. Es ist ein Phänomen das dem Raum über der Erde zugeordnet wird, und daher der Reinheit des Yang angehört. Das Feuer hat aber eine streuende und verbrauchende Wirkung, denn alles, was mit ihm in Berührung kommt zerfällt. Das Feuer zehrt sogar sich selbst auf und verglimmt, wenn es nicht mit Holz gefüttert wird. Daher ist das Feuer auch ein Symbol für Abhängigkeit und Anhänglichkeit. Wenn das Feuer zu stark wird, dann entsteht Schaden, weil es alle Dinge vernichtet. Wenn es zu schwach wird, dann entsteht schaden, weil alle Dinge erstarren. Das Feuer bedarf daher einer sehr genauen Einstellung, damit es nutzbar gemacht werden kann. Es muss kontrolliert werden, um Schaden zu vermeiden, es muß aber auch gleichzeitig gepflegt werden, damit das Yang nicht abbricht. Das Feuer neigt zu visionären Betrachtungen und ungewöhnlichen Sichtweisen. Das Feuer kann sehr sprunghaft sein und ist von seiner Umgebung abhängig. Das Yang-Feuer ist die Helligkeit der Flamme und die stechende Hitze. Das Yin-Feuer ist das Glimmen und die Wärme. Wie das Wasser, hat das Feuer keine feste Form und steht daher als Leerezustand zwischen den Dingen und dem Qi.

Die Erde:

Alles was als Erdboden angesehen werden kann, wird als Erde bezeichnet. Die Erde ist Repräsentant der Trägheit und des Ursprungs der Dinge. Sie ist Formen spendend und bildet gemeinsam mit dem Himmel die 4 Himmelrichtungen. Die Erde ist aber auch ein Symbol für die Fäulnis und Verwesung der Dinge, weil sie alle wieder in die Erde zurückkehren. Sie vertritt die Eigenschaften Standfestigkeit, die sich nur unter schweren Druck und dann schlagartig auflöst. Auch die Erde hat einen Yin- und einen Yang-Aspekt. Die Yin-Erde ist die feuchte Erde. Sie ist aber auch das Sediment und alles war erodiert. Die Yang-Erde ist die trockene Erde. Sie ist aber auch die große Gesteinsformation, die Landmassen oder Berge. Die Erde zeichnet sich immer durch ihre Bewegungsunwilligkeit aus, weshalb sie auch ein Symbol für Beständigkeit ist. Weil die Erde de facto überall ist, ist sie auch mit der Mitte assoziiert. Sie steht für Weite und Größe. Sie ist der Anfang und das Ende der Dinge. Ihre Autorität ist so groß, daß sie sich nicht darum bemühen muß diese zu erhalten. Obwohl die Erde für sich selbst genommen antriebslos ist, ist sie gerne williger Helfer für Unternehmungen. Die Erde verkörpert den Grundbesitz an sich und ist ein Ausdruck von Macht.

Das Metall:

Das Schriftzeichen Metall heißt eigentlich Gold. Es ist etwas, das von den Menschen begehrt wird und symbolisiert daher die Begierde und die Eitelkeit. Weil es aber hoch strukturiert und hart ist, repräsentiert es aber auch Durchsetzungsvermögen und Organisationstalent. Metall ist das Symbol des Geldes und der Effektivität. Es ist etwas, das gerne versteckt wird und sich in der Natur auch unter der Erde versteckt hält. Um seine Qualitäten genießen zu können, muss man dem Metall zuerst behilflich sein. Das Yang-Metall ist das Erz im Erdboden, das erst durch Mühen und Arbeit aus der Erde freigelegt und geborgen werden muss. Das Yin-Metall ist das feine bereits bearbeitete Metall, das als Instrument oder Schmuck dem Menschen dient und daher auch nutzbar gemacht werden kann. Das Metall ist die Wandlungsphase in der sich Feuer und Wasser friedlich begegnen, denn wenn man Metall sehr stark erhitzt wird es zuerst formbar und später flüssig wie das Wasser. Weil das Metall für sich selbst belassen kalt ist, gehört es nach außen hin dem Yin an und nach innen hin aufgrund seiner Härte dem Yang an. Das Metall ist aber auch das Symbol für Starrheit und Prinzipientreue. Seine Entschlossenheit ist einerseits hilfreich, kann aber auch zur Bedrohung werden, wenn es zu stark wird. Das Metall hat eine tiefe Zuneigung zu der Wandlungsphase Feuer, die es überwindet. Denn nur durch die Schmelzung des Feuers kann Metall nutzbar gemacht werden. Das Metall ist daher auch ein Symbol für Kooperation und Systembildung.

Das Wasser:

Das Wasser ist die erste der 5 Wandlungsphasen. Alles was flüssig ist oder verläuft wird dem Wasser zugeordnet. Es kann sich teilen und sich wieder von sich aus verbinden. Während das Feuer zerstreuende Wirkung, hat das Wasser immer eines sammelnde Wirkung. Es repräsentiert daher auch die Konzentration von Dingen. Während alle anderen Wandlungsphasen eine Form haben, hat das Wasser keine Form und ist daher hoch flexibel und hochindividuell. Weil das Wasser von Natur aus durchsichtig ist symbolisiert es Rationalität und Klarsicht. Das Wasser ist dem Feuer sehr zugetan, denn ohne des Feuers gibt es keine Wärme, so dass das Wasser erstarren würde. Wenn man das Wasser reizt wird es sehr bewegt und wütend und erreicht eine ungeheure Kraft. Das Yang Wasser, ist das zusammenfließende Wasser im Regen, in den Flüssen und das gesammelte Wasser in den Ozeanen. Das Yin-Wasser ist das verdunstende Wasser, die Feuchtigkeit im Nebel und in den Wolken und in der Erde und die Flüssigkeit in den Pflanzen. Das Wasser ist sowohl aus der Erde als auch im Himmel. Es kann sich ständig verändern und ist daher auch der Ausdruck von Wandlung an sich. Während die Erde der starre Masseaspekt ist, ist das Wasser der bewegte Masseaspekt. Weil das Wasser keine feste Forma hat, steht es als Völlezustand zwischen den Gestalt und dem Qi. Das Wasser ist das Symbol für Unüberwindlichkeit, wenn es aber für sich allein belassen ist, stürzt es in sich Zusammen und wird zu Eis. Es vereinigt Yin und Yang in sich, weil es sowohl weich als auch hart sein kann und zwischen diesen beiden Zustände wechseln kann.

Im Innenverhältnis der 5 Wandlungsphasen ergeben sich in der Summe folgende Interaktionen, die sich in zwei Kategorien einteilen lassen:

Direkte Wirkungslinien zwischen den 5 Wandlungsphasen:

„gegenseitiges Erzeugen“ 相生 (xiangsheng)

„gegenseitiges Überwinden“ 相克 (xiangke)

Holz überwindet Erde

Erde überwindet Wasser

Wasser überwindet Feuer

Feuer Überwindet Metall

Metall überwindet Holz

Ebenso wird das Überwinden von Yang-Aspekt auf Yang-Aspekt und von Yin-Aspekt auf Yin-Aspekt der Wandlungsphasen untereinander im Sinne einer direkten Überwindung als besonders heftig angesehen.

Indirekte Wirkungslinien zwischen den 5 Wandlungsphasen:

„gegenseitiges Kontrollieren“ 相制 (xiangchi)

„gegenseitiges Aufheben“ 相?? (xianghua)

„gegenseitiges Verletzen/Kränken“ 相侮 (xiangwu)

„gegenseitiges Kontrollieren“ 相制 (xiangzhi):

Holz kontrolliert Wasser durch die Überwindung der Erde

Erde kontrolliert Feuer durch die Überwindung des Holzes

Wasser kontrolliert Metall durch die Überwindung des Feuers

Feuer kontrolliert Holz durch die Überwindung des Metalls

Metall kontrolliert Erde durch die Überwindung des Holzes

„gegenseitiges Aufheben“ 相?? (xianghua):

Erde hebt die überwindende Wirkung des Feuers gegenüber dem Metall auf, weil Feuer die Erde erzeugt und Erde das Metall erzeugt. Die Erde entzieht auf diese Weise dem Feuer die Kraft.

Metall hebt die überwindende Wirkung der Erde gegenüber dem Wasser auf, weil Erde das Metall erzeugt und Metall das Wasser erzeugt. Das Metall entzieht auf diese Weise der Erde die Kraft.

Wasser hebt die überwindende Wirkung des Metalls gegenüber dem Holz auf, weil Metall das Wasser erzeugt und Wasser das Holz erzeugt. Das Wasser entzieht auf diese Weise dem Metall die Kraft.

Holz hebt die überwindende Wirkung des Wassers gegenüber dem Feuer auf, weil Wasser das Holz erzeugt und Holz das Feuer erzeugt. Das Holz entzieht auf diese Weise dem Wasser die Kraft.

Feuer hebt die überwindende Wirkung des Holzes gegenüber der Erde auf, weil Holz das Feuer erzeugt und das Feuer die Erde erzeugt. Das Feuer entzieht auf diese Weise dem Holz die Kraft.

„gegenseitiges Verletzen/Kränken“ 相侮 (xiangwu):

Wenn die zu überwindende Wandlungsphase zu stark ist und die überwindende Wandlungsphase zu schwach ist, so kehrt sich der Überwindungsvektor um und wird zu einem entgegen gerichteten Vektor des „Verletzens“:

Feuer verletzt Wasser

Wasser verletzt Erde

Erde verletzt Holz

Holz verletzt Metall

Metall verletzt Feuer

Allgemeine Zuordnungen der 5 Wandlungsphasen:

Im Verhältnis zu den 5 Wandlungsphasen stellt der Yang-Aspekt den Anfang einer Wandlungsphase dar, während der Yin-Aspekt den Ausklang darstellt. Nach der  Vorstellung der „Berechnung des Lebensverlaufes nach den 8 Zeichen“ sind die nach Yin und Yang geordneten 5 Wandlungsphasen über die 4 Himmelsrichtungen verteilt oder diesen zugeordnet:

Holz entspricht dem Osten und dem Frühling.

Feuer entspricht dem Süden und dem Sommer.

Metall entspricht dem Westen und dem Herbst.

Wasser entspricht dem Norden und dem Winter.

Erde entspricht der Mitte und jeweils der letzten 18/19 Tage ein jeder Jahreszeit.